Gleich am ersten Abend stand ein Treffen auf dem Programm, mit dem wir noch kurz zuvor nicht gerechnet hätten. Markus und Yolanda, von denen ich mich nach ca. sechs gemeinsamen Wochen in Südamerika Mitte April in Santiago de Chile verabschiedet hatte, trafen wie ich am Freitagabend in Vancouver ein. Sie flogen nach Boston und radelten nach Winnipeg, wo sie Markus’ Bruder besuchten. Danach ging’s mit dem Zug nach Jasper, später ebenfalls per Bahn, Fähre und – last but not least – per Pedales nach Vancouver Island, von wo sie dann eine passende Schiffsverbindung hatten. Wir genossen eine feines Abendessen in der Old Spaghetti Factory. Natürlich hatten wir uns viel zu erzählen und so war der Abend viel zu schnell vorüber.
Am Sonntag wollten sie vom Hotel wieder auf den Zeltplatz umziehen. Da ich im Hostel nicht verlängern konnte, tauchte auch ich vollbepackt am vereinbarten Treffpunkt zum Mittagessen auf. Wir unternahmen danach eine kleine Ausfahrt durch den Stanleypark, wo wir uns schliesslich (wieder einmal) verabschiedeten. Sie machten sich auf den Weg zum Camping und einige Tage später im Mietauto nach Calgary.
Ich fuhr dagegen zum Hostel am Jericho Beach. Abends machte ich mich wieder daran, Berichte und E-Mail zu schreiben. Davor warf ich einen Blick ins Facebook. Gleich die oberste Meldung überraschte mich. Jonas, einer der Sonntag-Abend-Hinterforst-Kicker, hatte seinen Wohnort geändert und hielt sich nun auch in Vancouver auf. Eine kurze Nachfrage bestätigte, dass er für ein paar Monate in der Stadt Englisch lernen will. Wir verabredeten uns für den Dienstagabend zum Abendessen.
Bei der vereinbarten Bahnstation traf ich mich also mit ihm und Mirjam, die an der selben Sprachschule lernt. Auch hier ging die Zeit rasend schnell vorbei. Den Abend liessen wir schliesslich gemeinsam mit Simon (noch mal ein Schweizer) und Waldir aus Brasilien in einer Bar ausklingen.
Nachdem ich nun überraschend Gesellschaft für meinen Geburtstag am Donnerstag gefunden hatte, verlängerte ich meinen Aufenthalt nochmals um einige Tage. Den “Zwischentag” verbrachte ich mit einer Whalewatching-Tour. Nach einer kleineren Odyssee erreichte ich schliesslich den entsprechenden Hafen. Die Tour selbst gefiel mir nur mässig. Wir sahen zwar einige Orcas (unser Boot war natürlich das am weitesten entfernte) und ein Buckelwal tauchte direkt neben uns auf. Trotzdem ähnelte die Tour verständlicher Weise eher einer Jagd, zumal man einen watscheligen Pinguin an Land definitiv besser beobachten kann als einen Wal im Wasser 😉
Am Donnerstagabend trafen wir uns also wieder, wobei Mirjam gleich weiter musste, um sich mit Bekannten zu treffen, die ebenfalls in Vancouver angekommen waren. Dafür war Andreas (der von der Fähre) mittlerweile von Vancouver Island zurück und verbrachte den letzten Abend vor dem Heimflug auch mit uns. Als Geburtstagsgeschenk erhielt ich von Jonas je eine Ovo- und Krachnuss-Schokolade. Das war dann schon was ganz Besonderes =D Danach ging’s in Restaurant und nach einem sehr leckeren Essen im KEG Steakhouse machten auch wir uns wieder auf den Weg in die Bar, wo wir die “alten” Bekannten vom Dienstag und auch sonst noch viele Leute trafen. Schliesslich machten wir uns auf den Weg, gerade noch rechtzeitig, um den letzten Bus zu erwischen, der mich bis ca. 1 1/2 km vor dem Hostel brachte.
Für meinen letzten Tag in Vancouver gönnte ich mir mal ein Fussballspiel. Die Whitecaps spielten zuhause gegen Chivas USA aus Los Angeles. Natürlich kommen diese Teams nicht an die traditionsreichen Vereine aus Buenos Aires (z.B. Boca Juniors, Independiente oder River Plate) oder Santiago de Chile (Colo Colo) ran. Sie boten aber ein unterhaltsames Spiel, das mit einem Traumtor der Gäste begann, und mit dem vielumjubelten 2:2-Ausgleich des Heimteams in den Schlussminuten endete.
Ansonsten verbrachte ich viel Zeit wie gehabt mit lesen und schreiben. Aber auch neue winterfeste Handschuhe, ein neuer Sattel und eine Extraschicht Lenkerpolsterung mussten besorgt und montiert werden. Dazu stellte ich plötzlich ein gerissenes Kabel an meinem Kilometerzähler fest. Nach einiger Suche fand ich aber einen Veloladen, wo sie das reparieren konnten.





