{"id":934,"date":"2013-09-25T07:43:54","date_gmt":"2013-09-25T05:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=934"},"modified":"2013-10-05T00:10:56","modified_gmt":"2013-10-04T22:10:56","slug":"san-jose-09-09-2013-21-09-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=934","title":{"rendered":"San Jose (09.09.2013 &#8211; 21.09.2013)"},"content":{"rendered":"<p>Mein Grossonkel Josef holte mich am Montagmorgen am Bahnhof ab. Zuhause angekommen schraubte ich schnell mein Velo wieder zusammen, bevor wir uns zusammen mit Josefs Frau Alene zu einem sp\u00e4ten Fr\u00fchst\u00fcck aufmachten. Auch die beiden Dackel Hymie und sein Sohn Rusty begr\u00fcssten mich &#8211; anfangs mit Gebell, dann aber mit Freude. Hymie liebte es, mit dem kleinen Gummiball zu spielen. Er stand jeweils oben an der Treppe und liess die Kugel runterrollen, auf dass sie jemand wieder hoch in eines der beiden Zimmer werfen m\u00f6ge. Das konnte er bis zur Ersch\u00f6pfung spielen. Zudem liebte er es, wenn ihm ein R\u00e4tsel gestellt und beispielsweise der Ball in eine Decke eingewickelt wurde.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn wollte ich eine Ausfahrt in die n\u00e4here Umgebung unternehmen. Alene zeichnete mir einen Plan in den Park Los Gatos, wobei ich das beim englischsprechenden Teil der Bev\u00f6lkerung eher als &#8220;Los Ghettos&#8221; verstand. Ich radelte \u00fcber eine Stunde einem Bach entlang, musste mich aber schliesslich durstig wieder auf den R\u00fcckweg machen. Unglaublich, dass ich mitten in einer Grossstadt eine so lange Strecke fahren konnte, ohne an einem Restaurant, Caf\u00e9, Laden oder was auch immer vorbeizukommen. Zur\u00fcck im Stadtteil Campbell fand ich dann aber doch noch ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr eine feine Glace \ud83d\ude42 Zwei Tage sp\u00e4ter wollte ich die Bastelei an der Aufh\u00e4ngung des Wechslers begutachten. Dazu nahm ich das Hinterrad weg &#8211; und das war&#8217;s dann bis auf weiteres mit dem radfahren&#8230;<\/p>\n<p>An einem Tag fuhren wir nach San Francisco, wo wir die Golden Gate Bridge und die Fisherman&#8217;s Wharf besuchten. Anstelle von Souvenirs kaufte ich mir nochmals zwei Bambusshirts. So k\u00f6nnen sich die etwas w\u00e4rmeren Baumwollshirts aus Peru auf den Weg in die Schweiz machen. Den Ausflug schlossen wir mit einem feinen Essen in Joe&#8217;s Crab Shack ab.<\/p>\n<p>Einen anderen Ausflug unternahmen wir ins Napa Valley. Dort probierten wir uns ein bisschen durch die verschiedenen (mehrheitlich ziemlich sauren) Weine. Daf\u00fcr waren aber viele Weing\u00fcter sehr sch\u00f6n angelegt und gepflegt. Besonders die Sterling Vineyards mit der Seilbahn und dem Rundgang durch die Produktionsschritte. W\u00e4hrend dem Heimweg luden uns dann Mike und Teresa zum Abendessen. Die Zeit verging in der lustigen Atmosph\u00e4re sehr schnell. Der japanische Znacht schmeckte ein wenig gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig aber wenn schon Sushi dann auch richtig mit rohem Fisch. Die Riesenportion Pouletw\u00fcrfel zur Vorspeise waren aber sehr lecker.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Samstagabend hatte ich uns zwei Tickets f\u00fcr ein weiteres Fussballspiel besorgt. Der Zufall wollte, dass bei den heimischen San Jose Earthquakes ausgerechnet die Whitecaps aus Vancouver zu Besuch waren. Im Gegensatz zum modernen Stadion mit Kunstrasen in Vancouver spielten die Teams im kleinen aber doch auch recht ordentlichen Stadion der Universit\u00e4t. Das mit der Eingangskontrolle d\u00fcrfen sie bei Gelegenheit nochmals \u00fcben. Es kann ja nicht sein, dass man den Spielbeginn verpasst, obwohl man \u00fcber eine halbe Stunde vorher am Eingang ist. Josef und ich schafften es gerade noch. Leider lebte das Spiel dann mehr von der Spannung &#8211; obwohl bei den vielen Chancen vor allem f\u00fcr die Quakes w\u00e4re wohl auch was zwischen 2:2 und 3:3 dringelegen. Viele Fans &#8211; zumindest die lautesten ausserhalb des Fansektors &#8211; scheinen nicht wirklich was von den Regeln zu verstehen. Und die aufgesetzte Brille musste so blau sein, dass sie selbst bei den eingefleischtesten FCSG-Fans nicht gr\u00fcner h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Daf\u00fcr haben sie ein paar Minuten sp\u00e4ter bereits wieder vergessen, was f\u00fcr ein unf\u00e4higer Typ der Schiri doch ist \ud83d\ude09 Jedenfalls: Das Spiel endete 0:0, was im Hinblick auf die Playoff-Qualifikation keiner der beiden Mannschaften wirklich half.<\/p>\n<p>Am Montag feierte Josef schliesslich seinen Geburtstag. Neben den bereits bekannten Mike und Teresa sowie Nachbarin Allisen kamen noch ein paar andere Freunde zum abendlichen BBQ.<\/p>\n<p>Nach einer guten Woche entdeckte ich den zum Viertel geh\u00f6rigen Pool. Von da an verbrachte ich jeweils den sp\u00e4ten Nachmittag damit, ein paar \u00a0Runden zu schwimmen und danach in der Sonne zu lesen.<\/p>\n<p>Auch zu einem Arzt musste ich wieder mal &#8211; sonst h\u00e4tte ich meine Medikamente nicht bekommen. Immerhin verschrieb mir dieser genug, dass es bis Ende Januar reichen sollte. Beim Testosteron vergass er aber, Dosis und Menge zu notieren, weshalb die Apotheke nachfragte. Vom Sekretariat der Praxis wurden sie am Donnerstag vertr\u00f6stet, da dieser Arzt halt erst am Mittwoch wieder vor Ort sei. F\u00fcr die US$ 150 h\u00e4tte sich ja auch ein anderer Arzt zu einem Blick auf das Schreiben vom Kantonsspital bequemen k\u00f6nnen. Schliesslich erhielt ich dann aber doch das Meiste. Nur d\u00fcrfen sie bei diesem Medikament nicht mehr als drei Monatsrationen auf einmal ausgeben. Deshalb schickt mir Josef den Rest dann nach. Immerhin habe ich jetzt wieder was &#8211; die letzte 10-Wochenspritze von Anfang Februar wirkte nun wirklich nicht mehr. Als Abschluss wurde dann noch die Kreditkarte gesperrt, da ich nach den beinahe US$ 6&#8217;000 f\u00fcr die verschreibungspflichtigen Medikamente noch anderes Zeug im selben Walgreens wieder mit der Kreditkarte bezahlen wollte. Das liess sich dann aber durch einen Anruf einfach kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Auch dem REI stattete ich gefahren von Alene einen Besuch ab. Sie meinten, die Tasche sei nicht wasserdicht sondern nur wasserabweisend. Da hatte ich wohl was falsch verstanden. Ich war dann sehr positiv \u00fcberrascht, als sie die Tasche trotzdem zur\u00fccknahmen. Daf\u00fcr kaufte ich dann einen wirklich wasserdichten 65l-Sack, einen ganz kleinen, warmen Schlafsack und sonst noch ein bisschen was. Dann musste ich mich beeilen, da Alene mich bereits ausrufen liess. Sie war in der Zwischenzeit aber auch nicht unt\u00e4tig und erstand im Ausverkauf eine Tasche, mit der sie ihr Zeugs f\u00fcr das j\u00e4hrliche Yosemite-Camping noch viel besser mitnehmen konnten als in der Tasche, mit der sie das bis anhin machten \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Nach soviel positiver \u00dcberraschung bei REI schrieb ich dann auch noch eine E-Mail an Amtrak. Bis Redaktionsschluss ging aber noch keine Antwort ein.<\/p>\n<p>Koga schickte mir gleich zwei Aufh\u00e4nger, sodass ich mein Velo endlich wieder fahrtauglich machen konnte. Josef reparierte zudem das gerissene Tachokabel dauerhafter.<\/p>\n<p>Ansonsten war es teilweise witzig &#8211; manchmal auch etwas nervig &#8211; einige der typischen Vorurteile gegen\u00fcber den US-Amis best\u00e4tigt zu bekommen. Also wenn man auf einen Parkplatz f\u00e4hrt, sucht man einen Platz m\u00f6glichst nahe am richtigen Gesch\u00e4ft. Soweit ja nichts Aussergew\u00f6hnliches. Wenn man dann aber zum n\u00e4chsten Gesch\u00e4ft 100 m gehen m\u00fcsste, f\u00e4hrt man lieber nochmals drei Runden, um einen n\u00e4heren Platz zu finden. Dann ging&#8217;s mal um die Namen. Also Urs ist klar, heisst dann auf amerikanisch Bear. Aber wof\u00fcr steht wohl Josef? Ich meinte dann, das sei halt der Vater von Jesus, Ehemann von Maria usw. Da erwiderte Alene doch in vollem Ernst, dass das nicht stimme, da Josef sich mit &#8220;f&#8221; schreibe, der in der Bibel sich aber mit &#8220;ph&#8221;. Na klar. Und die USA wurden durch den Urknall gegr\u00fcndet und haben danach Europa und den Rest der Welt erobert \ud83d\ude09 Dabei ist Englisch ja wohl eher eine der j\u00fcngeren Sprachen. Aber auf der anderen Seite: Ohne solche Anekdoten h\u00e4tte ich ja viel weniger zu erz\u00e4hlen&#8230;<\/p>\n<p>Die beinahe zwei Wochen vergingen jedenfalls wieder mal wie im Flug. Ich konnte aber auch meine Reiseberichte wieder nachschreiben, Karten bestellen, \u00a0und mein Gep\u00e4ck sortieren. Schliesslich schickte ich den b\u00e4rensicheren Essenscontainer, den alten Schlafsack, Velohandschuhe und eine Hose, ein paar T-Shirts, ein paar Landkarten und auch meine Solarpanels nach hause. Bei Letzteren ist ebenfalls ein Kabel gerissen und an ein paar anderen Stellen sah es auch nicht mehr so gut aus. Deshalb habe ich mir zwei kleine Akkus besorgt, mit denen ich ebenfalls \u00fcber eine USB-Verbindung meine Ger\u00e4te aufladen kann. So habe ich nun wieder wesentlich mehr Platz &#8211; den ich aber mehr oder weniger gleich wieder mit den Medikamentenvorr\u00e4ten aufgef\u00fcllt habe. Eine kleine Ampulle alle zehn Wochen ist halt schon weniger volumin\u00f6s als zwei Pumpfl\u00e4schchen jeden Monat.<\/p>\n<p>Auch im Lateinamerika-Bikebuch las ich die Streckenbeschriebe f\u00fcr Mexiko. Eigentlich wollte ich erst die Baja California runterfahren und danach an der Pazifikk\u00fcste bleiben. Allerdings gebe es dort nicht viel zu sehen &#8211; ausser vielleicht Acapulco. So bleibt es erst mal bei der Baja California. Danach geht es aber wohl in die Berge und \u00fcber Guadalajara nach Mexiko City.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Grossonkel Josef holte mich am Montagmorgen am Bahnhof ab. Zuhause angekommen schraubte ich schnell mein Velo wieder zusammen, bevor wir uns zusammen mit Josefs Frau Alene zu einem sp\u00e4ten Fr\u00fchst\u00fcck aufmachten. 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