{"id":791,"date":"2013-08-26T07:18:11","date_gmt":"2013-08-26T05:18:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=791"},"modified":"2013-08-29T21:41:34","modified_gmt":"2013-08-29T19:41:34","slug":"anchorage-dawson-city-27-07-2013-05-08-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=791","title":{"rendered":"Anchorage &#8211; Dawson City (27.07.2013 &#8211; 05.08.2013)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anchorage &#8211; Palmer (83 km) &#8211; Hicks Creek (97 km) &#8211; Glenn Highway MP 125 (46 km) &#8211; Glennallen (100 km) &#8211; Slana (115 km) &#8211; Tok (110 km) &#8211; Mt. Fairplay (80 km) &#8211; Walker Fork (58 km) &#8211; Top of the World Highway km 92 (58 km) &#8211; Dawson City (96 km)<\/strong><\/p>\n<p>Nach \u00fcber zwei Monaten ohne grossartiges Radeln ging es am Samstag endlich wieder los. Ich packte meine Sachen und war gegen Mittag abfahrbereit &#8211; bis auf den fehlenden Schlafsack. Diesen hatte ich w\u00e4hrend der Heizphase gegen die Wanzen im Zimmer gelassen, danach deponierten sie ihn bei der Reception. Als ich ihn abholen wollte, war aber kein Schlafsack mehr da. Offensichtlich hatte den jemand mit oder ohne Absicht mitgenommen. Schlussendlich schickten sie einen Mitarbeiter mit mir zu einem Outdoorgesch\u00e4ft, um einen neuen zu kaufen. So kam ich halt erst um ca. 14.00 los. Die Strecke nach Palmer war zum einfahren relativ einfach und flach. Die 1 1\/2 Liter Wasser waren dann aber doch etwas wenig und ich war froh, in Palmer bei Taco Bell einen All-you-can-drink-Becher kaufen zu k\u00f6nnen &#8211; das hat sich f\u00fcr diesen Laden bestimmt nicht gelohnt \ud83d\ude09 Danach ging&#8217;s auf den Campingplatz und nochmals zur\u00fcck zum Supermarkt. Dabei bemerkte ich, dass mein hinterer Reifen einen ziemlich grossen Schaden an der Seite hatte &#8211; und das am ersten Tag, den ich ohne Ersatzreifen unterwegs war&#8230;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fuhr ich erst mal zum lokalen Bikeshop, nur um festzustellen, dass der am Sonntag und Montag geschlossen hatte. Da ich am Montag meinen Riverrafting-Ausflug gebucht hatte, war warten nat\u00fcrlich keine Variante. Deshalb versuchte ich, per Autostopp nach Anchorage zur\u00fcckzukommen. Schliesslich nahmen mich Chris und Peaches mit, die aber nicht bis Anchorage sondern nur ca. 10 km nach hause wollten. Wir fuhren erst zum Autoreifenshop, wo sie mir aber auch nicht weiterhelfen konnten. Schliesslich nahmen sie mich mit zu ihrem Haus und ich konnten einen Reifen von Chris&#8217; Rad auf meines wechseln. Bevor ich abfuhr brachte mir Chris noch einen Tacosalat zur St\u00e4rkung, danach machte ich mich auf den R\u00fcckweg zum Camping. Durch die Reifensache kam ich heute erst um 14.30 los, musste aber noch den Sammelpunkt zum Rafting mit Gratiszeltplatz erreichen. Ich meinte, er sei ca. bei Milepost 100, w\u00e4hrend Chris im Internet die Angabe MP 76 fand. Ich kam Anfangs noch ziemlich gut voran, nur die Glasscherbe mit der damit verbundenen Schlauchreparatur h\u00e4tte nicht sein m\u00fcssen. Am Abend erreichte ich dann MP 76 und im Restaurant sagte man mir, die H\u00fctte des Raftingveranstalters Nova sei gleich auf der anderen Strassenseite. Das stimmte auch &#8211; der Zettel an der T\u00fcre verwies mich aber an den neuen Startort bei MP 96: nur noch 20 Minuten&#8230; Nach dieser tollen Nachricht musste ich mich erst mal mit einem Fanta st\u00e4rken. Zu allem (sp\u00e4ten) \u00dcbel ging der Highway nun in ziemlich h\u00fcgeliges Gel\u00e4nde \u00fcber. So brauchte ich schliesslich f\u00fcr die knapp 32 km 2 1\/2 Stunden! Der Zeltplatz am Fluss war aber toll. Noch besser h\u00e4tte er mir wohl gefallen, wenn ich ihn vor 22.30 erreicht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Am Morgen h\u00e4tte ich beinahe verschlafen. Es reichte grad noch f\u00fcr&#8217;s Fr\u00fchst\u00fcck und um das Zelt zusammenzupacken. Danach fuhren wir zum Caribou Creek, wo wir nach der Einschulung in unsere Boote stiegen. Mit unseren Guides Reed und Travis erlebten wir anfangs eine ruhige Fahrt &#8211; bis wir dann in den breiten und wilden Matanuska River einbogen. Das Highlight war der Rodeoritt auf der Nase des Bootes =D Zur\u00fcck am Lagerplatz ass ich noch meinen Zmittag und machte mich wieder auf den Weg. Ich fand am Abend sichtgesch\u00fctzt von der Strasse einen Platz f\u00fcr mein Zelt und kochte mir sogar noch ein paar H\u00f6rnli.<\/p>\n<p>Weiter ging&#8217;s in ewigem Auf und Ab. Trotzdem kam ich gut voran und kurz vor meinem Tagesziel Glennallen musste ich mein Velo f\u00fcr ein paar km auf einen Pickup verladen. Durch Baustellen wird der Verkehr einspurig von einem F\u00fchrungsfahrzeug geleitet, mit dessen Tempo ich nicht h\u00e4tte mithalten k\u00f6nnen. So war ich noch etwas fr\u00fcher im ersten Dorf nach drei Tagen. Ich g\u00f6nnte mir einen Znacht im Restaurant und ging f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Tage nochmals einkaufen. Danach fuhr ich noch ein paar km bis zum Campingplatz. Dort wimmelte es nur so von M\u00fccken. W\u00e4hrend ich mich schnell mit einer zus\u00e4tzlichen Schicht Repellent einspr\u00fchte, h\u00f6rte ich ein &#8220;da zellt aber n\u00f6d&#8221;. Ich fuhr zu den Kindern und da kam auch schon Vater Urs aus dem Camper. Er war vor Jahren als Reiseradler in Neuseeland unterwegs. Die Familie lud mich spontan ein, in ihrem Camper zu \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es sowohl am Abend als auch am Morgen viel zu erz\u00e4hlen, sodass ich schliesslich erst um 11.00 weiterfuhr. Trotzdem wollte ich unbedingt Slana erreichen, damit ich am anderen Tag in Tok den 1. August &#8220;feiern&#8221; konnte. An diesem Tag tat ich mich aber schwer und nachts entschloss ich mich, ein Zimmer in der einzigen Lodge zu nehmen. Das war zwar toll, f\u00fcr mich als Einzelperson aber ziemlich teuer. Zudem f\u00fchlte ich mich dadurch auch nicht besser, sodass ich mich entschloss, in Zukunft doch lieber im Zelt zu bleiben, wenn keine g\u00fcnstigere Unterkunft verf\u00fcgbar ist &#8211; vor allem bei dem sch\u00f6nen und trockenen Wetter. Am 1. August hatte ich mich wieder erholt. Ich erreichte Tok bereits am fr\u00fchen Abend und quartierte mich gleich auf dem ersten Campingplatz ein. Ich schrieb den drei Mexikanern, die ich in Anchorage getroffen hatte, wo sie seien und machte mich dann auf in den Supermarkt und ins Restaurant. Zum Dessert gab&#8217;s dann ein paar Lindor-Kugeln \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Die Mexikaner schrieben mir, sie seien ebenfalls in Tok und w\u00fcrden am 2. August nach Dawson City weiterfahren. Ich entschied mich also, meinen geplanten Ruhetag auszulassen, ging f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Tage einkaufen und fuhr schliesslich kurz nach Mittag im Gegenwind los. Nach ca. 20 km bog ich dann auf den Taylor Highway ab, wo der Wind dann nicht mehr zu sp\u00fcren war, der mich aber gleich mal mit einer knackigen Steigung begr\u00fcsste. So ging es den ganzen Tag weiter bergauf und -ab, immer mit ca. 6-7% Steigung bzw. Gef\u00e4lle. Das war ziemlich zerm\u00fcrbend und ich brauchte mein ganzes Fluchrepertoire, das immerhin jetzt auch durch ein bisschen Spanisch erweitert ist. Und&#8230; Mensch, Highway bedeutet doch nicht, dass man den bl\u00f6den Way so high wie nur irgend m\u00f6glich \u00fcber alle sich bietenden H\u00fcgel f\u00fchren muss! Ich \u00fcberlegte mir schon, in Dawson City einen Flug zu buchen, um zu schauen, ob vielleicht noch einer ausgelassen wurde. Zu allem Elend ging mir auch noch langsam das Wasser aus, sodass ich wohl oder \u00fcbel zum n\u00e4chsten Zeltplatz (oder zumindest zum n\u00e4chsten Bach) gelangen musste. Schliesslich fragte mich eine Camper-Fahrerin, ob ich den n\u00e4chsten Campingplatz w\u00fcsste. Sie konnte mich zwar nicht nach Chicken mitnehmen, half mir aber mit ein paar Litern Wasser aus &#8211; und obendrein erhielt ich noch ein Fl\u00e4schchen alkoholfreien Pi\u00f1a Colada. Kurz darauf erreichte ich einen Aussichtspunkt, wo ich sichtgesch\u00fctzt mein Zelt hinstellen konnte. Sogar eine Toilette gab&#8217;s &#8211; wirklich ein nettes Pl\u00e4tzchen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag hatte ich viele interessante Begegnungen. Bereits beim Fr\u00fchst\u00fcck plauderte ich mit einem steirischen Paar, das mit dem Wohnmobil auf den Parkplatz gefahren war. Als n\u00e4chster erreichte ein kanadischer Radler aus Inuvik am Eismeer kommend mein Lager. Bereits in den Vortagen hatte mich viele Leute vor dem extrem schlechten Schotterst\u00fcck zwischen Chicken und Dawson City gewarnt. Dieser Radler meinte sogar, es sei die schlechteste Strasse gewesen, die er je gefahren sei. Ich k\u00e4mpfte mich dann nach Chicken, wo der Schotter beginnen sollte. Chicken sollte eigentlich nach dem einheimischen Vogel Ptarmigan benannt werden. Dummerweise wussten die Gr\u00fcnder nicht, wie man das schreibt bzw. sie konnten sich nicht auf die Schreibweise einigen. So w\u00e4hlten sie die einfachtste L\u00f6sung&#8230; Das Kaff, in dem nur sechs Personen das ganze Jahr \u00fcber wohnen, ist ein Relikt aus der Goldgr\u00e4berzeit und touristisch entsprechend eingerichtet. Ich hatte daf\u00fcr zun\u00e4chst aber mal kein Musikgeh\u00f6r und bestellte &#8211; nomen est omen &#8211; eine Protion Pouletfl\u00fcgeli. Dabei traf ich Dominik und Jasmin aus St. Gallen, die auf einer mehrmonatigen Reise Alaska\/Kanada, Hawaii, Japan und S\u00fcdostasien bereisen. Eine Strasse weiter traf ich auf Angela und Claudio (Aargau und Emmen\/LU). Sie sind seit April und noch so lange, wie Lust und Geld reichen, mit ihrem Pickup-Camper unterwegs. Ich \u00fcberlegte mir, die Nacht \u00fcber in Chicken zu bleiben. Dass die Schlittenhundetouren in diesem Jahr nicht angeboten wurden, war letztlich ausschlaggebend, dass ich doch noch bis zum n\u00e4chsten Zeltplatz ca. 27 km weiterfuhr. Ich wagte mich mit etwas bangen Gef\u00fchlen auf die angeblich schlechte Schotterstrasse und wurde positiv \u00fcberrascht. Es ging sogar mal ein paar kurze km eben dahin &#8211; da hat wohl jemand bei der H\u00fcgelsuche versagt! Die Strasse f\u00fchrte malerisch an einem Bach entlang. Hier passte der Schotter wesentlich besser als eine Asphaltstrasse. Sp\u00e4ter kamen nochmals zwei ordentliche Anstiege &#8211; gut, dass ich die am n\u00e4chsten Tag nicht mehr hochradeln musste.<\/p>\n<p>Nach einer erholsamen Nacht mit entsprechendem Ausschlafen packte ich mein Zeugs wieder zusammen. Da auf den 150 km bis Dawson City kein Trinkwasser mehr verf\u00fcgbar sein w\u00fcrde, f\u00fcllte ich zum ersten Mal auch den 10l-Wassersack und startete mit total ca. 15,5l Wasser. Weiter stieg die Strasse dem Bach entlang auf gutem Schotter gem\u00e4chlich an. Beim Mittagessen kamen mir drei andere Radler entgegen. Aurelie und Leiko aus Genf waren auf dem Schlussspurt ihrer einj\u00e4hrigen Radreise von Kolumbien nach Alaska. Begleitet wurden sie von Steven, der seinerseits bereits seit 3 1\/2 Jahren unterwegs ist und von Europa entlang der Ostk\u00fcste Afrikas und der Panamericana ebenfalls in Alaska angekommen war. Er m\u00f6chte nun weiter nach Prudhoe Bay am Eismeer, worauf f\u00fcr ihn dann noch Australien und Asien warten &#8211; oder zwei weitere Jahre auf dem Fahrrad. Ich war nun immerhin schon seit gut 50 km auf dem Schotter unterwegs und fragte die drei, ob denn der schlechte Teil \u00fcberhaupt noch komme. Sie lachten nur und meinten, die anderen seien bestimmt noch nie in S\u00fcdamerika gewesen. Weiter ging&#8217;s zum n\u00f6rdlichsten Grenz\u00fcbergang zwischen Kanada und den USA. Und wirklich: Sogar in der Baustelle war die Strasse besser als der Ruta 40-Schotter im argentinischen Seenland oder der Abfahrt von der Cuesta de las Raices im chilenischen Seenland &#8211; von jener vom Paso Mamuil Malal ganz zu schweigen. Kurz nach der Einreise nach Kanada musste ich wegen einem jungen Karibu anhalten, das sich auf die Strasse verirrt hatte. Etwas sp\u00e4ter kamen mir eine Bayerin und ihr kanadischer Freund entgegen. Sein Velo war etwa gleich bepackt wie meins &#8211; nur dass er auch noch einen Anh\u00e4nger nachzog. Auf meine Frage meinte er nur, das seien halt seine Instrumente. Die zwei sind eben erst gestartet und m\u00f6chten bis Feuerland reisen. Dabei nehmen sie sich viel Zeit. W\u00e4hrend sie also vor Ladenschluss noch \u00fcber die Grenze wollten, suchte ich mir einen Zeltplatz. Beim Aufstellen rannte etwas weiter ein weiteres Karibu \u00fcber die Wiese &#8211; immerhin besser als B\u00e4ren \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Der letzte Tag meiner Anchorage-Dawson City-Etappe begr\u00fcsste mich mit leichtem Regen. Ich packte missmutig meine zum Gl\u00fcck wasserdichten Taschen und radelte bei 9\u00b0C los. Bis am Nachmittag blieb es frisch. Das vom kanadischen Grenzbeamten angek\u00fcndigte &#8220;nur noch bergab&#8221; wurde von total \u00fcber 1&#8217;000 H\u00f6henmetern an Gegenanstiegen unterbrochen. Schliesslich erreichte ich die letzte Kuppe und nun konnte ich mich wirklich auf 15 km steile Abfahrt freuen. Irgendwann empfahl ein Schild, langsam ans Bremsen zu denken, um vor der F\u00e4hre noch anhalten zu k\u00f6nnen. Ich warf einen Blick auf das Hostel, welches mir etwas komisch vorkam. Also setzte ich mit der F\u00e4hre \u00fcber und erkundigte mich im Visitors Center nach \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten. Bei Juliette&#8217;s Manor quartierte ich mich schliesslich f\u00fcr drei N\u00e4chte ein. Am Abend schloss ich die Etappe mit einem Znacht bei Klondikes Kate ab.<\/p>\n<p>Wie schon in S\u00fcdpatagonien sind die Entfernungen und Dimensionen hier einfach riesig, wobei man in Alaska und Kanada aufgrund der H\u00fcgel und des Waldes weniger weit sieht. Die Leute sind ausgeprochen nett und hilfsbereit, auch wenn sie manchmal in einem Anflug von \u00dcbereifer ein paar Angaben verdrehen oder einfach etwas sagen, von dem sie glauben, dass es stimmt. Die Gegend ist sehr d\u00fcnn besiedelt und so sind sich die Leute wohl gewohnt, einander gegenseitig zu helfen. Zudem l\u00e4sst das nat\u00fcrlich viel Platz f\u00fcr die Natur, um in Ruhe zu bestehen und zu gedeihen. F\u00fcr mich war nat\u00fcrlich besonders toll, dass ich anscheinend einen Jahrhundertsommer erwischt habe. Anstatt des \u00fcblichen h\u00e4ufigen Regens mit Temperaturen zwischen 15 und 20\u00b0C schien meistens die Sonne bei +\/- 25\u00b0C. So l\u00e4sst sich die Gegend nat\u00fcrlicher angenehmer beobachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anchorage &#8211; Palmer (83 km) &#8211; Hicks Creek (97 km) &#8211; Glenn Highway MP 125 (46 km) &#8211; Glennallen (100 km) &#8211; Slana (115 km) &#8211; Tok (110 km) &#8211; Mt. 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