{"id":1188,"date":"2014-01-29T21:57:22","date_gmt":"2014-01-29T20:57:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=1188"},"modified":"2014-01-29T21:58:46","modified_gmt":"2014-01-29T20:58:46","slug":"guadalajara-ii-11-01-2014-25-01-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ciclopanamericana.ch\/?p=1188","title":{"rendered":"Guadalajara II (11.01.2014 &#8211; 25.01.2014)"},"content":{"rendered":"<p>Wieder zur\u00fcck in Guadalajara kehrte wieder sowas wie &#8220;Alltag&#8221; ein. Als erstes wollte ich meine W\u00e4sche waschen. Da es im Gegensatz zu meinem ersten Monat hier nun regnerisch war, wollte ich eine W\u00e4scherei mit Trockner suchen: bis zur n\u00e4chsten Kreuzung und dann einen halben Block auf der rechten Seite. Ich fand die W\u00e4scherei weder &#8220;rechts und noch einen halber Block&#8221; noch &#8220;einen halben Block geradeaus und dann auf der rechten Seite&#8221;. Nach unz\u00e4hligem Nachfragen wurde ich ca. 8-9 Blocks vom Hostel in die andere Richtung dann doch noch f\u00fcndig. Samstanachmittag 14.00 &#8211; bis am Montagvormittag seien sie fertig. Da ich s\u00e4mtliche Kleider mit mir trug (entweder auf mir oder im W\u00e4schebeutel), kam das nat\u00fcrlich nicht in Frage. So war ich dann nach gut zwei Stunden in der Umgebung wieder im Hostel &#8211; mit zwar immer noch ungewaschener W\u00e4sche, daf\u00fcr aber mit der Spezialit\u00e4t Guadalajaras, zwei Tortas ahogadas. Das sind knusprige Br\u00f6tchen, die der L\u00e4nge nach aufgeschnitten, mit unterschiedlichen Fleischsorten gef\u00fcllt und mit einer s\u00fcsslichen Sauce \u00fcbergossen wird. Dazu kommen dann die \u00fcblichen Beilagen wie (eingelegte) Zwiebeln, Radieschen, Limonen (also besser nur der Saft!) usw. Gewaschen habe ich dann schliesslich mit einem Tag Versp\u00e4tung doch im Hostel &#8211; und gerade noch rechtzeitig vor den ersten dicken Regentropfen nahm ich die beinahe trockene W\u00e4sche rein und verwandelte den obersten Schlafsaal in ein Trockenzimmer.<\/p>\n<p>Am Montagmorgen traf ich beim Fr\u00fchst\u00fcck Lennart aus Hamburg. Er hatte f\u00fcr einige Monate im kolumbianischen Cartagena an der Karibikk\u00fcste ein Austauschsemester absolviert &#8211; bzw. eine ruhige Kugel geschoben. Nun stand er kurz vor der R\u00fcckreise von San Francisco nach Hamburg. Gemeinsam mit James machten wir einen Spaziergang ins Zentrum. Zur\u00fcck im Hostel wollten dann Hannes und Per aus G\u00f6teborg was essen gehen. W\u00e4hrend Lennart telefonieren wollte, gingen James und ich mit. Wir wurden gleich mit &#8220;Bier und Wein: 2 f\u00fcr 1&#8221; begr\u00fcsst. Die anderen drei wollten sich das nicht entgehen lassen und bestellten entsprechend. Bei der Abrechnung waren dann zwei Flaschen f\u00fcr je MXN 32 statt zusammen MXN 28 auf der Rechnung. Nachgefragt meinten sie, diese Sorte sei halt von der Aktion nicht betroffen &#8211; interessanterweise hatten sie aber trotzdem bei nur einer Bestellung zwei Flaschen gebracht! Sie wollten die Rechnung nicht korrigieren, wir aber auch nicht zuviel bezahlen. So verrechneten wir den Mehrpreis einfach mit den \u00fcblichen 10% Trinkgeld &#8211; vielleicht waren wir danach nicht mehr die meistgeliebten G\u00e4ste \ud83d\ude09 Ein paar Tage sp\u00e4ter wollte Lennart dann auch in dieses Restaurant und auch diesmal dasselbe. Allerdings fragte ich diesmal nach, ob diese Sorte auch Bestandteil der Aktion sei. Bei mir brachten sie irgendeine Tortilla, die mit Knochen und Fett gef\u00fcllt war &#8211; und das obwohl sie bei der Bestellung best\u00e4tigt hatte, es sei Fleisch!<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde ich am Dienstagmittag von Omar (der, der mit seinen Freunden eine Europa-Radtour plant) zu Carne en su jugo (Fleisch in seinem Saft) eingeladen, wo wir dann viel \u00fcber meine Erfahrungen und Empfehlungen plauderten. Zuvor hatte ich Hosteleigent\u00fcmer Alex zum Einkauf begleitet. die letzten N\u00e4chte waren saukalt und wie bereits erw\u00e4hnt kennt man in Lateinamerika Isolation allerh\u00f6chstens vom H\u00f6rensagen. Wir wollten also eine Ladung w\u00e4rmerer Decken besorgen und standen um 09.00 am Markt &#8211; vor verschlossenen T\u00fcren! Alle L\u00e4den \u00f6ffneten erst um 10.00, was Mexikaner Alex zu einer Tirade \u00fcber allgemeine lateinamerikanische Arbeitsmoral und den Grund f\u00fcr mangelnden Wohlstand veranlasste \ud83d\ude09 Schliesslich ergatterten wir die 18 Decken dann doch noch zu einem Preis, f\u00fcr den wir in der Schweiz die Decken allenfalls mal 10 Minuten anschauen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes nervte er sich, dass er f\u00fcr die Bewilligung seines zweiten Hostels wegen der Umnutzung von einem Privat- in ein Businessgeb\u00e4ude beinahe MXN 50&#8217;000 (ca. CHF 3&#8217;500) bezahlen musste und sich die j\u00e4hrliche Geb\u00fchr f\u00fcr sein erstes Hostel von ca. MXN 1&#8217;300 (2013) auf ca. MXN 2&#8217;700 (2014) mehr als verdoppelte, ohne dass daf\u00fcr irgendein Mehrwert geboten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dann war es endlich soweit und ich konnte mit meinem abgebrochenen Zahn zu einer mit Alex befreundeten Zahn\u00e4rztin gehen. Vermutlich waren es dann zuviele Zwischenstationen. Jedendalls meinte sie nach ein paar Minuten, ich br\u00e4uchte ein Krone, was mir schon vorher klar war. Nun sollte ich eine Woche sp\u00e4ter am Donnerstag wieder kommen. Um Manuel, den ich vom Fitnesscenter kenne, in Playa del Carmen zu besuchen, war es dann nat\u00fcrlich auch zu weit und ich buchte einen Flug f\u00fcr den nachfolgenden Freitag. Bei meiner bisher einzigen Krone wurde bei der ersten Sitzung ein Provisorium angefertigt, von diesem ein Abdruck genommen und bei der zweiten Sitzung die bestellte Krone ein gesetzt. Mit dem n\u00e4chsten Kurzurlaub wollte ich die Wartezeit \u00fcberbr\u00fccken. Als ich dann aber eine Woche sp\u00e4ter wieder auftauchte meinte die jetzt zust\u00e4ndige Zahn\u00e4rztin, es br\u00e4uchte eine Schraube, um die Krone zu halten und total seien 5-6 Sitzungen notwendig &#8211; eine pro Woche! Nach der R\u00fcckkehr nochmals 5-6 Wochen in Guadalajara zu warten war mir dann doch zuviel. Ich vereinbarte bei einem anderen Zahnarzt einen Termin f\u00fcr Freitagmittag &#8211; vielleicht k\u00f6nnten sie es ja in weniger Sitzungen erledigen. Schlussendlich f\u00fcllte er das durch den Abbruch entstandene Loch einfach. Ich denke mal, die erste L\u00f6sung w\u00e4re qualitativ besser gewesen und ohne Zeitdruck h\u00e4tte ich sie auch bevorzugt.<\/p>\n<p>Nun war zwar mein Zahn wieder in Ordnung, daf\u00fcr hatte ich aber am Donnerstag meinen Freitagsflug verschieben m\u00fcssen, bzw. wollen. Das Gebrabbel der Telefonansage verstand ich nicht, also meldete ich mich f\u00fcr den Online-Chat mit der Fluggesellschaft an. Nach einer geschlagenen Stunde mit dem Hinweis, es w\u00fcrde sich jeden Moment jemand melden, schrieb ich eine E-Mail, was ich tun k\u00f6nne, um den Flug zu verschieben, das neue Datum wisse ich aber noch nicht. Am Freitagmorgen rief dann schliesslich Alex an. Nach einer Weile hatte er sich durchgek\u00e4mpft. Die Mitarbeiterin meinte aber nur, jetzt sei es zu sp\u00e4t und den Online-Chat solle man nicht benutzen! Schliesslich buchte ich dann einen neuen Flug f\u00fcr ca. CHF 90 am Sonntag.<\/p>\n<p>Nun aber nochmals ein bisschen zur\u00fcck in der Zeit. Nach dem ersten Zahnarztbesuch am Mittwochnachmittag besuchte ich mit Lennart, Hannes, Per, Alex und zwei seiner Kumpels ein Cup-Spiel zwischen zwei Teams aus Guadalajara: Chivas aus der ersten und Leones Negros aus der zweiten Liga. Wir Ausl\u00e4nder mussten uns das Spiel aber erst verdienen und eine gute Stunde auf der Ladefl\u00e4che des Pickups aushalten. Per meinte dann, wenn uns nun irgendwelche andere Europ\u00e4er oder Gringos s\u00e4hen, w\u00fcrden die sicher meinen, sie h\u00e4tten ja schon immer gewusst, wie die &#8220;Mexikaner&#8221; reisen \ud83d\ude09 Schliesslich erreichten wir das Stadion gerade noch rechtzeitig, um kurz vor der Halbzeitpause den Elfmetertreffer zum 1:0 f\u00fcr die favorisierten Chivas zu sehen. Mir war von der schlechten Luft im Stau etwas \u00fcbel und drum wollte ich kurz vor unseren Pl\u00e4tzen was zum trinken kaufen. Anscheinend suchten die anderen sechs dann andere Pl\u00e4tze und gingen zur\u00fcck, ohne mir was zu sagen. Nun, ich konnte das beherzte Auftreten und den verdienten Ausgleich des Underdogs auch sonst geniessen und nach dem Spiel fanden wir uns auch wieder. Die sechs h\u00e4tten erst nach Spielschluss bemerkt, dass einer fehle!? Auf dem R\u00fcckweg ging&#8217;s dann flotter und nach dem obligatorischen Tacostopp kamen wir zur\u00fcck ins Hostel.<\/p>\n<p>Dann besuchte ich mit Lennart das Museum in Guadalajara, bevor er am n\u00e4chsten Tag nach Tijuana und dann weiter nach Kalifornien reiste. Die Informationen waren nicht so sch\u00f6n \u00fcbersichtlich dargestellt wie in der Hauptstadt. Daf\u00fcr fanden wir Indizien, dass die alten Eidgenossen mal ein paar Hellebarden f\u00fcr dei Mexikaner er\u00fcbrigen konnte.<\/p>\n<p>Lennart reiste dann ab, daf\u00fcr traf Jacob im Hostel ein. Er m\u00f6chte sich mal f\u00fcr ein Weilchen in Guadalajara niederlassen. Speziell ist dabei, wie er das daf\u00fcr notwendige Geld gespart hat. In Eugene (Oregon) suchte er sich einen Job und um m\u00f6glichst wenig Geld auszugeben wurde er freiwillig zum Obdachlosen, was heisst, dass er mit seinem Zelt in den Wald vor der Stadt gezogen ist. Dabei hat er dieses jeden Tag abgebaut und mit zur Arbeit genommen. Was passiert, wenn man es stehen l\u00e4sst, musste er selber einmal erfahren, als er zur\u00fcckkehrte und das Zelt nicht mehr dastand &#8211; vermutlich von der Stadt wegger\u00e4umt.<\/p>\n<p>In der Nacht von Samstag auf Sonntag telefonierte ich mit Fabian, der seinen 5. Geburtstag feierte. Er war \u00fcber das Cars-Spiel f\u00fcr die Playstation ganz aus dem H\u00e4uschen, bedankte sich \u00fcberschwenglich und meinte, es sei uuuuhhhh cool, aber er h\u00e4tte halt noch nicht so lange spielen k\u00f6nnen &#8211; es war ja auch erst 08.00 bei ihm zuhause und er hatte es eben erst ausgepackt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>In der zweiten Woche verbrachte ich dann viel Zeit an meinem Chromebook, um die Costa Rica-Berichte und viele E-Mails zu schreiben. Daneben durften auch Basketball und Billard nicht zu kurz kommen. Beim Pool-Billard lief es f\u00fcr mich eindeutig besser, schliesslich kann man da im Gegensatz zum Basketball auch gewinnen, wenn man nicht verliert und der Gegner die Schwarze zu fr\u00fch oder in die falsche Tasche versenkt &#8211; und sowohl Jacob als auch Alex waren echt gut darin \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Alex half ich daf\u00fcr dann zweimal, ein paar W\u00e4nde in seinem neuen Hostel zu streichen. Wir f\u00fchrten dann Diskussionen dar\u00fcber, ob die W\u00e4nde ein-, zwei- oder gar dreimal gestrichen werden m\u00fcssten, wobei ich nat\u00fcrlich meinte, bei den von mir gemalten W\u00e4nden w\u00fcrde einmal locker reichen \ud83d\ude09 Nach der zweiten Runde am Samstag wurden wir uns dann einig: Grau (beim ersten Mal zu d\u00fcnn angemischt) und lila (beim ersten Mal etwas lasch gepinselt) brauchten noch einen dritten Anstrich, w\u00e4hrend bei den t\u00fcrkisen W\u00e4nden zweimal reichte &#8211; f\u00fcr ein drittes Mal reichte die Farbe n\u00e4mlich ohnehin nicht mehr. Neben dem zweiten Hostel \u00fcberlegt er auch, in der Hauptstadt was zu er\u00f6ffnen. Dann k\u00f6nnte er das Geld (bzw. die weniger ambitionierten Mexikaner!) f\u00fcr sich arbeiten lassen und zwischendurch auf Reisen gehen \ud83d\ude09 Zuerst m\u00f6chte er aber ein paar Semester in Lyon studieren &#8211; und auch da w\u00fcrde ein regelm\u00e4ssiges Einkommen nicht schaden.<\/p>\n<p>So gingen zwei weitere Wochen in Guadalajara ziemlich schnell vorbei. Langsam sp\u00fcre ich aber, dass ich mich mal wieder auf&#8217;s Fahrrad schwingen m\u00f6chte. Insbesondere die Bewegung fehlt mir &#8211; und schliesslich habe ich jetzt ja &#8220;nur&#8221; noch ein knappes halbes Jahr \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder zur\u00fcck in Guadalajara kehrte wieder sowas wie &#8220;Alltag&#8221; ein. Als erstes wollte ich meine W\u00e4sche waschen. 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