Ensenada – El Rosario (09.10.2013 – 21.10.2013)

Ensenada – Las Cañadas (33 km) – San Vicente (57 km) – San Quintín (103 km) – El Rosario (63 km)

Eigentlich überlegte ich, in Ensenada auf die drei Mexikaner aus Guadalajara zu warten, die ich in Anchorage getroffen hatte. Sie schrieben dann aber, dass sie wohl von San Diego nach hause fliegen. Die Zeit ging ihnen langsam aus und – Grossmama bitte bis zum nächsten Abschnitt überspringen – die Eltern fanden es zu gefährlich, durch Mexiko zu radeln – wie beruhigend 😉

Also machte ich mich halt alleine auf die Weiterfahrt. Erst ging’s aber noch zu einem Besuch in einer Schule. Sergio, ein Argentinier, den ich im Hostel kennengelernt hatte, hatte eine Bekannte in dieser Schule und fragte mich an. Sie holten mich kurz vor 11.00 im Hostel ab und wollten mich mit dem Auto hinfahren – wegen der bereits fortgeschrittenen Zeit. Ohne Fahrrad und Gepäck aufzutauchen ging natürlich gar nicht und so radelte ich hinter ihnen her. Ich stellte mich kurz vor und entschied dann, dass eine Fragerunde wesentlich einfacher als ein unvorbereiteter Vortrag sei. Schüler und Lehrer waren sehr interessiert und die Fragen sehr abwechslungsreich. Beim folgenden Mittagessen “musste” ich dann sogar noch eine Autogrammstunde abhalten 😉

Dann machte ich mich endlich wieder auf. Ich wollte nur ein kurzes Stück fahren – im Hostel hatte ich nämlich den Canopy-Flyer gefunden. Am frühen Abend war ich dann auch schon am Ziel. Das Canopy war eine schöne Abwechslung, aber wie erwartet nicht mit einem Seilpark zu vergleichen. Einer der Guides machte mit meiner Kamera ein paar Fotos und meinte dann zum Spass was von einem Dollar pro Foto. Ich konterte, ich sei einverstanden, er solle mir einfach sagen, welche Fotos er von meiner Kamera möchte – das war dann wohl ein Punktsieg 😉 Danach musste ich mir einen Platz für die Nacht suchen. Da es in der Nähe sonst nichts gab, blieb ich im Park und da die Hüttchen und Tipis unverschämt teuer waren, zeltete ich auf dem verhältnismässig immer noch teuren Campingplatz. Dafür wäre auch die Poollandschaft im Preis inbegriffen gewesen. Nach dem Eindunkeln ein bisschen im Pool hängen tönte gut. Auf die Frage, ob das Wasser warm oder kalt sei, meinte die Angestellte treuherzig, das komme auf das Wetter an. Wenn die Sonne scheine, sei das Wasser wärmer, nachts kälter – meine Badehose blieb also trocken… Ich stellte mein Zelt auf und erinnerte mich kurz darauf an Lino vom Hostel und sein “die nächsten 10 Monate regnet’s hier nicht mehr”! Immerhing waren die Tische grossflächig überdacht, sodass ich Velo und Gepäck vor dem kräftigen Regen in Sicherheit bringen konnte. Kurz darauf tauchte Gilberto auf, der die Nachtschicht gefasst hatte. Er brachte mir etwas später eine Glühbirne für die Halterung am Tisch und so liess es sich trotz Regen ganz gut aushalten.

Wie von Gilberto angekündigt, hörte der Regen am frühen Morgen auf. Es war aber noch bewölkt und ziemlich frisch und so blieb ich noch ein bisschen liegen. Schliesslich packte ich bis auf das Zelt zusammen, frühstückte und las ein bisschen. Ein ziemlich fotogenes Eichhörnchen wollte auch mit frühstücken und putzte meine Schüssel – nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann aber doch noch für einen Abwasch entschlossen. Das Zelt trocknete in der Zwischenzeit in der mittlerweile scheinenden Sonne. Schliesslich machte ich mich erst am Nachmittag auf den Weg. Die Campinggebühr galt nur bis 09.00. Danach währen weitere MXN 90 (ca. CHF 6.30) für die Tagesbenutzung der Anlagen fällig geworden. Da ich nichts nutzte und das WIFI sowieso nie funktionierte, hatte ich keine Lust auf Zusatzkosten. Ich ass deshalb was kleines beim Minimarkt und verliess das Gelände durch den Marktausgang. Die eher kurze Etappe nach San Vicente ging durch das ständige Auf und Ab dann trotzdem ganz schön in die Beine. Ich erreichte das Dorf kurz vor dem Eindunklen und wollte in einem Laden nach Unterkünften fragen. Davor stand ein Pickup und der Fahrer, ein Angestellter der Stadt oder Region Ensenada, sprach mich an und empfahl mir das Mini-Hotel Vivian. Das war ja einfacher als erwartet und im Vivian erhielt ich ein sauberes Zimmer – und nachts war zur Abwechslung mal so gut wie nichts vom Strassenlärm zu hören.

Nun wollte ich San Quintín erreichen und knapp über 100 km schienen mir nicht allzu weit. Nach etwas mehr als einer Stunde hielt ein entgegenkommender Pickup an und Luis begrüsste mich. Der Sohn von Gabino, bei dem ich über warmshowers.org  die Übernachtung in San Quintín organisieren konnte, war auf dem Weg zu einem Wochenende in Mexicali an der Grenze. Weiter ging’s dann mühsam in hügeligem Gelände und meistens bei Seiten- oder Gegenwind. Nach knapp über 30 km stand Trino am Strassenrand. Er lud mich zu einem Glas Wasser (ich hätte auch Bier haben können) und später zu einem Teller Eintopf ein. Ich hätte auch übernachten können. Allerdings hatte ich mich in San Quintín angekündigt. Ich rechnete bereits nach, ob ich es wohl noch bei Tageslicht schaffen würde, als ich nach gut 40 km wieder die Westküste erreichte und die Strasse nach Süden knickte. Nun durfte ich mich plötzlich über Rückenwind freuen und so kam ich noch rechtzeitig an. In einem Minimarkt fragte ich nach der Strasse und wurde aufgeklärt, dass diese ca. 8-10 km weiter südlich liege. Nach gut einem km fragte ich in einer Tankstelle nochmals nach und rief schliesslich an. Gabino war für seinen Secondhand-Shop unterwegs, weshalb mich Lupina abholte. Von wegen 8-10 km – die Abzweigung hatte ich bereits verpasst.

Neben der Ehefrau war auch noch Tochter Estephania zuhause, dazu Hündchen Tina. Gabino kündigte seine Rückkehr für den Sonntagabend an, weshalb ich gerne drei Nächte blieb. Er kauft in den USA gebrauchte Waren ein, um sie später in seinem Laden in Loreto wieder zu verkaufen. Dazu ist er jeweils während drei Wochen unterwegs, worauf eine freie Woche folgt. Lupina, Estephania und ich machten einen Ausflug zur Küste, kauften eine Gitarre (für Estephanias künstlerische Ambitionen), assen Tacos und plauderten viel. Am Sonntag schauten wir uns die alte Mühle der englischen Siedler und das zugehörige Museum an. Auf dem Heimweg kaufte ich dann ein paar Zutaten ein und zurück im Haus benutzte ich die Küche, um wieder mal ein paar Kekse zu backen =D Das Haus duftete gerade entsprechend, als Gabino wieder nach hause kam. Wir plauderten lange über Erlebnisse und andere Radler. Warmshowers ist eine Seite, auf der sich Radreisende registrieren können. Unterwegs kann dann bei anderen Mitgliedern wegen Übernachtungsmöglichkeiten angefragt werden. Gabino und seine Familie sind seit ein paar Monaten registriert – seit er in der südlichen Baja California mit einigen Velofahrern ins Gespräch kam und da es in dieser Gegend nur wenige Mitglieder gibt, melden sich natürlich die meisten bei ihnen. Sie sind sehr begeistert davon und versuchen, auch anderweitig das Mitgliedernetz auf der Baja California etwas zu vergrössern.

Am Montagvormittag kam auch Luis wieder zurück. Kurz darauf verabschiedete ich mich, um eine Kurzetappe nach El Rosario zu machen. Bei Sonnenschein und Rückenwind kam ich gut voran. Unterwegs plauderte ich ein bisschen mit Phil aus Reading (UK), der mit dem Motorrad auf dem Weg nach Panama ist. Auf den letzten 10 km kam dann doch noch eine nennenswerte Steigung – dafür aber mit entsprechender Abfahrt zum Schluss. Der Empfehlung im LABB folgend, quartierte ich mich im Hotel Sinahi ein.

Nach El Rosario beginnt die Desierto Central, ein ca. 350 km langes Stück mit nur wenigen Versorgungsmöglichkeiten. Bereits nach der Regennacht in Las Cañadas hatte ich mit einer Erkältung zu kämpfen und so blieb ich ein zusätzliche Nacht, um mich etwas auszukurrieren. Und dann noch eine und noch eine… Am siebten Tag bereitete ich schliesslich alles für die Weiterfahrt vor. Die Tage in El Rosario verbrachte ich vor allem mit schlafen und lesen. Aber auch einen Besuch bei Mama Espinoza gönnte ich mir. Das Restaurant soll früher bei Hollywoodstars sehr beliebt gewesen sein, die extra für Lobster-Burritos 500 km nach Süden (und wieder zurück) gedüst sind. Mir schmeckte das Essen im Sinahi aber wesentlich besser und die Preise waren auch in einem normalen Verhältnis und nicht so überteuert wie bei Mama (bzw. jetzt wohl Hija) Espinozas.