Chula Vista – Ensenada (30.09.2013 – 08.10.2013)

Chula Vista – Playa la Misión (70 km / Pickup) – Ensenada (48 km)

Mit strahlendem Sonnenschein verabschiedete sich Kalifornien von mir. Am allerletzten Tag meines Visums (und am letzten Tag vor dem Shutdown) machte ich mich auf nach Mexiko. Ich machte einen Zwischenstopp in Imperial Beach, wo ich auf der Post ein Paket abholen und meine letzten USA-Landkarten heimschicken musste. Danach machte ich mich auf zur Grenze. Schon von Weitem konnte ich mehrere riesige mexikanische Flaggen sehen, später tauchte dann auch der Grenzzaun zwischen San Ysidro und Tijuana auf. Ich reihte mich in den Fussgängerstrom ein und brachte mein bepacktes Velo problemlos durch die Drehtür. Etwas weiter drückte ich den Knopf für den Zufallsgenerator, welcher mich zum Glück nicht für eine Gepäckkontrolle auswählte. Dann noch kurz über eine Brücke und schon stand ich mitten in Tijuana. Als erstes ein Mc Donald’s-M zu sehen, fand ich etwas unschön. Da kam mir dann auch eine andere nordamerikanisch Kette nochmals in den Sinn: “Wienerschnitzel” verkauft…. natürlich Hotdogs?! Allerdings beschäftigte ich mich mehr mit der Frage, wo denn nun die Imigrationsbehörde das Büro hatte. Ich fragte mich bei ca. 10 Personen durch und wurde schliesslich von einem Beamten nochmals ein rechtes Stück über die Fahrbahnen für die Autos geleitet. Formular ausfüllen, 295 meiner eben erst gewechselten Pesos abgedrückt (ca. CHF 20) und dann gab’s auch schon einen Stempel für die nächsten 180 Tage.

Der zweiten Empfehlung folgend fand ich mich bald auf der kostenpflichtigen MEX1 cuota wieder, auf der ich gleich mal mit ca. 13% den Hügel hoch treten musste. Auf der anderen Seite ging’s dafür wieder steil bergab und wegen den dünnen Längsrillen und der Kurve entschied ich mich, doch mal zu bremsen. Später zeigte mein Velocomputer dann doch einen neuen Geschwindigkeitsrekord an: 71,78 km/h! In Playas de Tijuana meinten die Federales dann, mit dem Fahrrad dürfe man auf dieser Strasse nicht weiterfahren, ich müsse die andere nehmen. Ich fuhr also ab und fragte bei der nächsten Möglichkeit nach dem Weg. Sandra war ganz aus dem Häuschen, jemanden aus der Schweiz zu treffen. Ob die Schweiz in mexikanischen Geografiebüchern wohl auf dem Mond oder gar dem Mars liegt? Leider wusste sie aber nicht, wie man ohne Rückkehr nach Tijuana auf einer anderen Strasse nach Rosarito kommen könnte. Auch die anderen Leute waren wieder einmal sehr freundlich und hatten alle möglichen Ideen, wie ich denn nun weiter nach Süden kommen könnte. Ich entschied mich schliesslich für die Mehrheitsmeinung. Kurz nach der Station der Federales gab’s einen kleinen Weg zurück auf die Autobahn – also eigentlich eher eine inoffizielle Lücke, die mit viel Phantasie als Weg interpretiert werden konnte. Nun, es hatte viele Veloreifenspuren und auch wenn ich kurz abladen musste, fand ich mich etwas später im Sattel wieder. Kurz darauf fragte ich bei einem Arbeiter nochmals nach und er bestätigte mir, dass dies die Beste (weil einzige) Möglichkeit nach Süden sei. Trotz dieser Verzögerung kam ich um ca. 18.00 in Rosarito an. Da sollte es noch reichen, kurz im Hostel einzuchecken und am Strand den Sonnenuntergang anzuschauen. Ich fragte ein paar Taxifahrer, die kannten das Hostel aber nicht. Einer funkte extra in die Zentrale, um nach dem Hos(pi)tal zu fragen 😉 Die Touri-Info war bereits geschlossen und auf der Polizeistation nebenan hatten sie auch noch nie was davon gehört. Schliesslich ging ich in ein Internetcafé und stellte fest, dass das Hostel zwar noch in der Gemeinde Rosarito, allerdings ca. 30 km südlich an der Playa la Misión liegt. Ich rief an und erklärte, ich könne doch nicht kommen, da ich in der Nacht nicht 30 km fahren wolle. Da meinte der Besitzer, für eine Beitrag an die Benzinkosten würden sie mich abholen. Schliesslich tauchte ein anderer Gast aus Neuseeland mit der Tochter des Hostelbesitzers (Vater England, Mutter Südafrika oder so) auf. Auf dem Rückweg hielten wir an einem Imbissstand am Strassenrand an, um was zum Abendessen mitzunehmen. Und was verkaufen die? Keine Tacos, Burritos oder sonst was Mexikanisches sondern Hamburger und Hotdogs! Also so hatte ich mir den ersten Mexiko-Znacht nicht vorgestellt.

Am nächsten Tag schaute ich noch mit dem Arsenal-Fan das Championsleague-Spiel gegen Napoli und machte mich dann auf den Weg nach Ensenada. Unterwegs traf ich wieder auf den gleichen Arbeiter wie gestern. Zudem plauderte ich länger mit einem Sicherheitsangestellten. Dass sein Beinschutz nicht gegen Hunde sondern gegen Schlangen schützen sollte, beruhigte mich nur mässig. Später traf ich noch zwei auf einem Aussichts-Rastplatz und einen Spanier, der für ein Strassenprojekt hier arbeitet. In Ensenada liess ich mich dann vom Ensenada Backpackers Hostel überzeugen.

Dort traf ich auf Hadley aus Australien, der bereits seit drei Monaten auf Reisen ist und auf Matt aus San Diego, der seine Reise eben erst begonnen hatte. Beide sind für unbestimmte Zeit unterwegs. Auf Richard aus Indonesien verbrachte einige Tage im gleichen Hostel. Nach ein paar Tagen kamen Max aus England und Sergio aus dem argentinischen Teil Patagoniens an. Robert aus Berlin blieb nur eine Nacht. Er ist Physiotherapeut und fand auf seiner Mexikoreise völlig überraschend Arbeit für die Betreuung des offiziellen Sportteams der Baja California Sur. Nun musste er zurück nach Deutschland, um die ganze Angelegenheit ordentlich zu regeln. Gegen Ende meines Aufenthalts kam auch noch das deutsch-holländische Paar Luisa und Adriaan ins Hostel, die vor dem Rückflug nach hause einen Kurztrip nach Mexiko machten.

Mit Hadley und Matt machte ich einen Ausflug nach La Bufadora. Es handelt sich dabei um ein Felsloch (oder so wie es mir schien einen ganz engen Kanal), durch das das Meerwasser gedrückt wird, sodass es wie ein Geysir hochspritzt. Wir kamen natürlich bei Ebbe an, wodurch das Schauspiel etwas weniger beeindruckend war.

Das kleine Museum Ensenadas ist sehr schön hergerichtet. So ist der Treppenaufgang, in dem sie Höhlenmalereien thematisieren, beispielsweise als steinerner Durchgang dekoriert und auch der Teil über Minen soll den Besuchern den Eindruck vermitteln, als befänden sie sich im Fels.

Sonst verbrachte ich meine Zeit mit Spaziergängen an den Strand, Besuchen bei der örtlichen Bicicletería, dem Drucken neuer Visitenkarten oder auch einfach mit anderen Gästen beim Besuch eines Restaurants oder einer Bar. Speziell die Leute vom Veloladen TNT waren sehr freundlich und hilfsbereit – und sowohl für die Radlerhose als auch für den neuen Vorderreifen kriegte ich einen grossen Rabatt.

Nun soll’s weiter nach Süden in die trockeneren und heisseren Gebiete der Baja California gehen.