San Jose (09.09.2013 – 21.09.2013)

Mein Grossonkel Josef holte mich am Montagmorgen am Bahnhof ab. Zuhause angekommen schraubte ich schnell mein Velo wieder zusammen, bevor wir uns zusammen mit Josefs Frau Alene zu einem späten Frühstück aufmachten. Auch die beiden Dackel Hymie und sein Sohn Rusty begrüssten mich – anfangs mit Gebell, dann aber mit Freude. Hymie liebte es, mit dem kleinen Gummiball zu spielen. Er stand jeweils oben an der Treppe und liess die Kugel runterrollen, auf dass sie jemand wieder hoch in eines der beiden Zimmer werfen möge. Das konnte er bis zur Erschöpfung spielen. Zudem liebte er es, wenn ihm ein Rätsel gestellt und beispielsweise der Ball in eine Decke eingewickelt wurde.

Gleich zu Beginn wollte ich eine Ausfahrt in die nähere Umgebung unternehmen. Alene zeichnete mir einen Plan in den Park Los Gatos, wobei ich das beim englischsprechenden Teil der Bevölkerung eher als “Los Ghettos” verstand. Ich radelte über eine Stunde einem Bach entlang, musste mich aber schliesslich durstig wieder auf den Rückweg machen. Unglaublich, dass ich mitten in einer Grossstadt eine so lange Strecke fahren konnte, ohne an einem Restaurant, Café, Laden oder was auch immer vorbeizukommen. Zurück im Stadtteil Campbell fand ich dann aber doch noch ein Plätzchen für eine feine Glace 🙂 Zwei Tage später wollte ich die Bastelei an der Aufhängung des Wechslers begutachten. Dazu nahm ich das Hinterrad weg – und das war’s dann bis auf weiteres mit dem radfahren…

An einem Tag fuhren wir nach San Francisco, wo wir die Golden Gate Bridge und die Fisherman’s Wharf besuchten. Anstelle von Souvenirs kaufte ich mir nochmals zwei Bambusshirts. So können sich die etwas wärmeren Baumwollshirts aus Peru auf den Weg in die Schweiz machen. Den Ausflug schlossen wir mit einem feinen Essen in Joe’s Crab Shack ab.

Einen anderen Ausflug unternahmen wir ins Napa Valley. Dort probierten wir uns ein bisschen durch die verschiedenen (mehrheitlich ziemlich sauren) Weine. Dafür waren aber viele Weingüter sehr schön angelegt und gepflegt. Besonders die Sterling Vineyards mit der Seilbahn und dem Rundgang durch die Produktionsschritte. Während dem Heimweg luden uns dann Mike und Teresa zum Abendessen. Die Zeit verging in der lustigen Atmosphäre sehr schnell. Der japanische Znacht schmeckte ein wenig gewöhnungsbedürftig aber wenn schon Sushi dann auch richtig mit rohem Fisch. Die Riesenportion Pouletwürfel zur Vorspeise waren aber sehr lecker.

Für den Samstagabend hatte ich uns zwei Tickets für ein weiteres Fussballspiel besorgt. Der Zufall wollte, dass bei den heimischen San Jose Earthquakes ausgerechnet die Whitecaps aus Vancouver zu Besuch waren. Im Gegensatz zum modernen Stadion mit Kunstrasen in Vancouver spielten die Teams im kleinen aber doch auch recht ordentlichen Stadion der Universität. Das mit der Eingangskontrolle dürfen sie bei Gelegenheit nochmals üben. Es kann ja nicht sein, dass man den Spielbeginn verpasst, obwohl man über eine halbe Stunde vorher am Eingang ist. Josef und ich schafften es gerade noch. Leider lebte das Spiel dann mehr von der Spannung – obwohl bei den vielen Chancen vor allem für die Quakes wäre wohl auch was zwischen 2:2 und 3:3 dringelegen. Viele Fans – zumindest die lautesten ausserhalb des Fansektors – scheinen nicht wirklich was von den Regeln zu verstehen. Und die aufgesetzte Brille musste so blau sein, dass sie selbst bei den eingefleischtesten FCSG-Fans nicht grüner hätte sein können. Dafür haben sie ein paar Minuten später bereits wieder vergessen, was für ein unfähiger Typ der Schiri doch ist 😉 Jedenfalls: Das Spiel endete 0:0, was im Hinblick auf die Playoff-Qualifikation keiner der beiden Mannschaften wirklich half.

Am Montag feierte Josef schliesslich seinen Geburtstag. Neben den bereits bekannten Mike und Teresa sowie Nachbarin Allisen kamen noch ein paar andere Freunde zum abendlichen BBQ.

Nach einer guten Woche entdeckte ich den zum Viertel gehörigen Pool. Von da an verbrachte ich jeweils den späten Nachmittag damit, ein paar  Runden zu schwimmen und danach in der Sonne zu lesen.

Auch zu einem Arzt musste ich wieder mal – sonst hätte ich meine Medikamente nicht bekommen. Immerhin verschrieb mir dieser genug, dass es bis Ende Januar reichen sollte. Beim Testosteron vergass er aber, Dosis und Menge zu notieren, weshalb die Apotheke nachfragte. Vom Sekretariat der Praxis wurden sie am Donnerstag vertröstet, da dieser Arzt halt erst am Mittwoch wieder vor Ort sei. Für die US$ 150 hätte sich ja auch ein anderer Arzt zu einem Blick auf das Schreiben vom Kantonsspital bequemen können. Schliesslich erhielt ich dann aber doch das Meiste. Nur dürfen sie bei diesem Medikament nicht mehr als drei Monatsrationen auf einmal ausgeben. Deshalb schickt mir Josef den Rest dann nach. Immerhin habe ich jetzt wieder was – die letzte 10-Wochenspritze von Anfang Februar wirkte nun wirklich nicht mehr. Als Abschluss wurde dann noch die Kreditkarte gesperrt, da ich nach den beinahe US$ 6’000 für die verschreibungspflichtigen Medikamente noch anderes Zeug im selben Walgreens wieder mit der Kreditkarte bezahlen wollte. Das liess sich dann aber durch einen Anruf einfach klären.

Auch dem REI stattete ich gefahren von Alene einen Besuch ab. Sie meinten, die Tasche sei nicht wasserdicht sondern nur wasserabweisend. Da hatte ich wohl was falsch verstanden. Ich war dann sehr positiv überrascht, als sie die Tasche trotzdem zurücknahmen. Dafür kaufte ich dann einen wirklich wasserdichten 65l-Sack, einen ganz kleinen, warmen Schlafsack und sonst noch ein bisschen was. Dann musste ich mich beeilen, da Alene mich bereits ausrufen liess. Sie war in der Zwischenzeit aber auch nicht untätig und erstand im Ausverkauf eine Tasche, mit der sie ihr Zeugs für das jährliche Yosemite-Camping noch viel besser mitnehmen konnten als in der Tasche, mit der sie das bis anhin machten 😉

Nach soviel positiver Überraschung bei REI schrieb ich dann auch noch eine E-Mail an Amtrak. Bis Redaktionsschluss ging aber noch keine Antwort ein.

Koga schickte mir gleich zwei Aufhänger, sodass ich mein Velo endlich wieder fahrtauglich machen konnte. Josef reparierte zudem das gerissene Tachokabel dauerhafter.

Ansonsten war es teilweise witzig – manchmal auch etwas nervig – einige der typischen Vorurteile gegenüber den US-Amis bestätigt zu bekommen. Also wenn man auf einen Parkplatz fährt, sucht man einen Platz möglichst nahe am richtigen Geschäft. Soweit ja nichts Aussergewöhnliches. Wenn man dann aber zum nächsten Geschäft 100 m gehen müsste, fährt man lieber nochmals drei Runden, um einen näheren Platz zu finden. Dann ging’s mal um die Namen. Also Urs ist klar, heisst dann auf amerikanisch Bear. Aber wofür steht wohl Josef? Ich meinte dann, das sei halt der Vater von Jesus, Ehemann von Maria usw. Da erwiderte Alene doch in vollem Ernst, dass das nicht stimme, da Josef sich mit “f” schreibe, der in der Bibel sich aber mit “ph”. Na klar. Und die USA wurden durch den Urknall gegründet und haben danach Europa und den Rest der Welt erobert 😉 Dabei ist Englisch ja wohl eher eine der jüngeren Sprachen. Aber auf der anderen Seite: Ohne solche Anekdoten hätte ich ja viel weniger zu erzählen…

Die beinahe zwei Wochen vergingen jedenfalls wieder mal wie im Flug. Ich konnte aber auch meine Reiseberichte wieder nachschreiben, Karten bestellen,  und mein Gepäck sortieren. Schliesslich schickte ich den bärensicheren Essenscontainer, den alten Schlafsack, Velohandschuhe und eine Hose, ein paar T-Shirts, ein paar Landkarten und auch meine Solarpanels nach hause. Bei Letzteren ist ebenfalls ein Kabel gerissen und an ein paar anderen Stellen sah es auch nicht mehr so gut aus. Deshalb habe ich mir zwei kleine Akkus besorgt, mit denen ich ebenfalls über eine USB-Verbindung meine Geräte aufladen kann. So habe ich nun wieder wesentlich mehr Platz – den ich aber mehr oder weniger gleich wieder mit den Medikamentenvorräten aufgefüllt habe. Eine kleine Ampulle alle zehn Wochen ist halt schon weniger voluminös als zwei Pumpfläschchen jeden Monat.

Auch im Lateinamerika-Bikebuch las ich die Streckenbeschriebe für Mexiko. Eigentlich wollte ich erst die Baja California runterfahren und danach an der Pazifikküste bleiben. Allerdings gebe es dort nicht viel zu sehen – ausser vielleicht Acapulco. So bleibt es erst mal bei der Baja California. Danach geht es aber wohl in die Berge und über Guadalajara nach Mexiko City.