Pequeña Helvecia, Costa Rica – Guadalajara, México (06.01.2014 – 10.01.2014)

Pequeña Helvecia – San José – Guadalajara

Nachdem der Nationalpark Corcovado auf der Península Osa voll war, wollten wir nun den Park am Tenorio besuchen. Die Hotelbesitzerin hatte in den vergangenen Tagen versucht, einen Reiseführer für uns zu organisieren. Wir hätten uns dann einer Tour anschliessen können, dafür aber einen ziemlichen Umweg auf der Hinfahrt zum Park machen müssen. Schliesslich beschlossen wir, es ohne Führer zu versuchen und bei Bedarf vor Ort zu schauen. Entweder waren wir zu schnell unterwegs oder es gab von der dieser Seite keinen Wegweiser. Jedenfalls mussten wir dann doch noch das GPS auf Papis Handy einschalten – manchmal doch noch gut so ein Spielzeug 😉 Dann wanderten wir los in den Park. Ich mit meinen (zumindest am Anfang noch) hellbeigen Hosen und weissen Schuhen – dumm, wenn man nichts anderes hat 😉 Wir spazierten, kraxelten und rutschten auf dem schlammigen Weg den Berg hoch und für den Abstecher zum Wasserfall zwischendurch auch wieder runter. Getier bekamen wir auch hier kaum zu Gesicht, dafür immer wieder mal andere Touris, die wir schon von weit her debattieren hörten. Für den Abstieg wählten wir die Seite zum anderen Eingang. Wir mussten zwar ca. 1,5 km auf der Schotterstrasse zum Auto zurückgehen, dafür sollte der Weg viel besser sein. Der Abstieg war dann auch wesentlich besser zu gehen und schon bald konnten wir beim Haupteingang die Schuhe waschen. Nach ca. halber Strecke wollte ich ein Foto machen, bemerkte aber, dass ich meine Kamera bei der Waschanlage hängen gelassen hatte. Also ging ich zurück, während Papi das Auto holte. Bei der Waschanlage war sie mal nicht. Also fragte ich beim Parkangestellten nach, der wusste aber nichts von einer Kamera. Im Restaurant plauderte ich ein bisschen mit zwei anderen Schweizern und fragte auch dort nach. Aber auch im Restaurant wurde nichts abgegeben. Der herbeigerufene Ehemann meinte dann, er hätte was in der Station gesehen, der Angestellte hätte vielleicht nicht verstanden, was ich wollte – oder nicht verstehen wollen? Jedenfalls hing sie dann in seinem Büro und ich fragte mich, was man bei “camará” missverstehen konnte. Dafür sah ich dann auch noch die offiziellen Eintrittspreise von USD 10 p.P. – auf der anderen Seite war’s gratis. Nun fragte ich mich langsam, wo denn nun Papi blieb. Kurz darauf kam der Pickup auch schon um die Ecke. Die 1,5 km waren schliesslich mehr als doppelt so weit! Im Nachhinein waren wir dann froh, die USD 65 (wie unsympathisch diese Preise in Dollar statt Colones) p.P. gespart zu haben. Beim Rückweg fuhren wir über La Fortuna, der Vulkan Arenal war aber wie meist in eine Wolke gekleidet. So entschieden wir uns für den nächsten Tag um und strichen den nochmaligen Besuch der Vulkangegend. Zum Nachtessen fuhren wir nochmals zurück nach Nuevo Arenal. Auf dem Weg dorthin wäre dann beinahe ein neugieriges Pelzdings unter unseren Pickup gerannt.

Dafür kehrten wir am anderen Vormittag nach Cañas zur Familie Hagnauer zurück. Wir wollten unser Glück mit etwas Wildlife nochmals versuchen, diesmal auf einem Raftingboot auf dem Tenorio. Nach einem Gratis-Willkommens-Fruchtdrink, weil wir ihm zwei Tage zuvor zwei Tafeln Schweizer Schokolade geschenkt hatten, fuhren wir also an den Tenorio, einen der vielen Flüsse Costa Ricas. Irgendwo muss das viele Wasser ja hin, schliesslich gibt es dort Gegenden mit bis zu 6’000 mm Niederschlag pro Jahr – als Vergleich: die Niederschlagskarte der Schweiz hört bei 3’000 mm auf! Auf dem Fluss bekamen wir vor allem Vögel zu sehen, aber auch eine dritte Affenart und ein junges und deshalb noch ziemlich kleines Krokodil. Als Verpflegung genossen wir dann eine der vorerst letzten saftig-süssen Ananas Costa Ricas. Papi wusch sich auf meine Versicherung, dass das problemlos möglich sei, die Hände im Fluss – und etwas später sahen wir ein schon mittelgrosses Krokodil ins Wasser gleiten 😉 Kurz darauf mündete der Tenorio in den Corobici, wo sich dann ein richtig grosses Teil auf einer Sandbank sonnte. Das machte sich aber aus dem Staub, bevor wir auf Fotodistanz herankamen. Nach der Rückkehr plauderten wir noch etwas mit Hagnauer und jetzt wissen wir, dass wegen der Fussball-WM in Brasilien wohl einige Gäste ausbleiben werden, dafür die Fussball-WM der U17-Mädchen in Costa Rica stattfinde und einen Tourismusboom auslösen werde, oder so… Also zumindest beim Boom durch die U17-WM bin ich dann doch skeptisch 😉 Zurück im Hotel kopierten wir dann gegenseitig die Fotos. Auf meiner Kamera seit dem Abflug 13 Monate zuvor: 1’281 Fotos. Dazu kamen dann von Papis zwei Kameras von den letzten 13 Tagen nochmals ca. 800 dazu 😉

Nun war der letzte gemeinsame Tag bereits angebrochen und wir machten uns wieder auf den Weg. Diesmal wollten wir den Altstätter “Diesel-Sepp” besuchen. Er war vor acht Jahren ausgewandert und bewirtschaftet mit seiner Frau aus Nicaragua eine Hacienda. Dieses Anwesen ist in einem tollen Zustand, überall werden Früchte angebaut und als Highlight produzieren sie den Kaffee (nur für den Eigengebrauch) selber. Zudem lernten wir, dass bei einer Ananas einfach die Krone abgeschnitten und eingepflanzt werden könne. Nach dem Mittagessen mussten wir uns dann beeilen, um das Auto zurückzugeben und rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. Ich insistierte nochmals wegen dem Umrechnungskurs bzw. wollte, dass die Belastung in den offerierten Dollars erfolgte. In Dollar belasten könne er nicht, aber ich könne ja im Einkaufszentrum um die Ecke Bargeld wechseln – welch ein Trottel! Da wir nicht vermuteten, dass er irgendwelche Entscheidungskompetenz hatte, verschoben wir das auf später. Im Flughafen mussten wir uns dann beeilen. Nach dem Check-In wurde Papis Flug bereits durchgegeben und so düste er los. Später erzählte er mir dann, dass er vor dem Boarding nochmals eine halbe Stunde hätte warten müssen. Ich nahm dann den Bus ins Zentrum, da mein Flug erst am nächsten Tag ging. Dieses Hostel war zwar professionell, hatte mit dem familiären Ambiente beispielsweise in La Serena oder Guadalajara aber nichts zu tun – ich fühlte mich überhaupt nich in Lateinamerika. Also machte ich noch einen Spaziergang in die Avenida Central, wo ich die am Vorabend entsorgten weissen Hallenfussballschuhe ersetzte. Die hatten zwar die Schlammwanderung überstanden und waren nach der Wäsche auch wieder weiss, allerdings waren sie ja schon vor der Abreise mindestens zwei Jahre in Gebrauch und hatten mich auch meiner bisherigen Reise begleitet. Kurzum: die Sohle war einfach durchgelaufen. Zurück im Hostel traf ich dann zwei weitere Schweizer: Aninja, die vor 10 Jahren schon mal in Costa Rica war und von der Veränderung seither noch mehr überrascht war als ich sowie ihren Freund Michael.

Für den Rückflug musste ich erst um 17.01 am Gate sein. Also nützte ich den Tag, um das Nationalmuseum von Costa Rica zu besuchen, das im früheren Kastell Als erstes führte der Weg durch eine Schmetterlingshalle. Weiter ging’s zu den üblichen ingígenen Ausstellungen. Die Ureinwohner scheinen einen speziellen Geschmack bei ihrer Vorgartengestaltung gehabt zu haben – Gartenzwerge gab’s da wohl noch nicht. Dafür deuten die Indizien auf eine Gewisse Sportkultur hin 😉 Dann gings in die ehemalige Wohnung des Kommandanten – mal ein spezieller Ort, um auf die Toilette zu gehen. Besonders gefallen hat mir auch die Sonderausstellung über den Prozess der Demokratisierung des Landes. Auch die Informationen über den Bürgerkrieg von 1948 waren interessant. Begonnen hatte das ganze damit, dass schon im Vorfeld der Wahl auf alle drei Kandidaten Mordanschläge verübt wurden. Bei der Wahl behielt Herausforderer Ulate mit 54% der Stimmen die Oberhand. Darauf reagierte der amtierende Präsident Calderón etwas verschnupft. Was also tun? Seine Partei bezeichnete die Wahl als Betrug, “sein” Kongress annullierte diese und um ganz sicher zu gehen verbrannten sie die Stimmzettel. Diese Lösung fand die Opposition dann aber ziemlich doof. Nun kehrte “Don Pepe” Figueras aus seinem Exil in Mexiko zurück. Vermutlich hatte er seine aus ca. 600 Soldaten bestehende, vom Ausland mit Waffen belieferte und von Guatemala trainierte Nationale Befreiungsarmee zu diesem Zeitpunkt bereits gebildet. Ihnen gegenüber stand die reguläre Armee Costa Ricas, ein eher schlecht organisierter und ausgebildeter Haufen von ca. 1’000 Soldaten. Nicaragua schickte auch noch 500 Soldaten zur Unterstützung, dazu kam noch eine Freiwilligenarmee von ca. 3’000 Personen. Die Regierungstruppen konnten dann nicht allzu lange Widerstand leisten und nachdem San José umstellt war, gab die Regierung friedlich auf. Figueras wurde für 18 Monate zum Führer einer Gründungsjunta ernannt. Erwähnenswerte Änderungen: Weiterführung von Calderóns Sozialreformen, Einführung des Frauenwahlrechts, alle Bürgerrechte für die schwarze Bevölkerung, Verbot der kommunistischen Partei, Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten und Einführung eines unabhängigen Wahlgerichts.

Nach soviel Geschichte rief dann wieder die Modernität bzw. der Flughafen. Ich checkte problemlos ein und wartete auf das Boarding. Zwar wunderte ich mich, dass keine anderen Passagiere dazukamen, allerdings gab auch die Infotafel kein anderes Gate an. Schliesslich fragte ich beim Avianca-Schalter nach und die meinten, sie wüssten noch nicht mal, ob wir überhaupt fliegen würden, ich solle um 19.30 wieder kommen. Also ging ich was essen und kam dann wieder zurück – um über eine Stunde darauf zu warten, dass irgendjemand den Avianca-Stand besetzen würde. Irgendwann logen sie uns dann was von einem verspäteten Flieger aus Venezuela vor und teilten uns als neue Abflugzeit 02.00 mit. Das hatten sie ganz schlau gemacht, konnten sie so doch die Übernahme der Übernachtungskosten sparen. Kurz nach 21.30 brachten sie dann noch ein paar Tabletts mit Flugzeugessen vorbei, wobei ih ja schon längst gegessen hatte. Schlafen war auch danach nicht möglich, da genau in diesem hintersten Teil des Flughafens die Fenster gereingt werden mussten. Tatsächlich waren wir dann nur acht Passagiere im Flieger. Ich vermute mal, dass sie aus Angst vor allfälligen Entschädigungsforderungen einfach den schlechtestbesetzten Flug verspätet haben.

Am frühen Morgen kamen wir dann doch noch in México D.F. an. Zwischen dem Check-In und der Gepäckrückgabe hatte irgendein Zoll- oder wohl eher Avianca-Depp mein Gepäck kontrolliert, ohne dass ich dabeigewesen wäre. Gefehlt hat zwar nichts, allerdings hatte ich mir was dabei gedacht, dass ich z.B. das Duschmittel noch in ein Plastiksäckchen gewickelt hatte und vor allem käme jemand mit halbwegs intakter Grundintelligenz wohl auf die Idee, das Necessaire wieder zu schliessen, bevor es zurück in die Tasche geworfen wird. Ich nutzte dann die paar Stunden Wartezeit, um bei Alamo und Avianca zu motzen. Die wetterbedingte Rumpelei nach Guadalajara verschlief ich dann hauptsächlich. Ansonsten verlief der Flug so, wie ich das eigentlich grundsätzlich erwarten würde 😉 Bereits vor dem Abflug hatte ich das für das Hostel fahrende Taxi bestellt. Allerdings hatte er ein Problem mit dem Zweitwagen und mit dem zwar offiziellen aber eben nicht Flughafen-Taxi durfte er nicht zum Flughafen. Ich marschierte also zum Flughafen raus und wartete an der Hauptstrasse bei einer Plauderei mit einem anderen Taxifahrer. Die Fahrt mit Ismael (Geronimos Sohn) ging dann auch ganz schnell und wegen der Wartezeit gab’s noch 20% Rabatt 🙂 So war ich dann am späteren Abend wieder im Hostel, wo ich wieder wie ein Familienmitglied begrüsst wurde.