Mulegé – La Paz (02.11.2013 – 11.11.2013)

Mulegé – Playa Santispac (19 km) – Playa El Coyote (8 km) – Loreto (110 km) – Ciudad Insurgentes (121 km) – Las Pocitas (125 km) – La Paz (115 km)

Nun folgten zwei kurze Radtage. Wir wollten die schönen Strände der Bahía Concepción etwas geniessen. Gleich nach Mulegé kauften wir nochmals ein, dann machten wir uns auf die knappe Stunde Fahrt zum ersten (Privat-) Strand. Dort liessen wir uns für eine Nacht zum zelten nieder. Der Strand schien aus Muschelteilchen und kleinen Steinchen zu bestehen, war also etwas grober als beispielsweise die Sandstrände auf der Pazifikseite. Von Gefälle konnte schon fast keine Rede mehr sein. Ich wollte die kleine Bucht durchschwimmen, konnte bei Ebbe aber beinahe rüberwaten. Der kleine Strand ist offensichtlich auch bei nordamerikanischen Langzeitreisenden oder Auswanderern sehr beliebt. So konnte ich im Verlauf des Tages einige nette Plaudereien führen.

Am Morgen holte uns die Sonne schon wieder sehr früh aus dem Zelt – es wurde einfach zu heiss. Unser nächstes Ziel hiess eigentlich Playa El Burro, dieser Strand gefiel uns aber nicht besonders. Also noch um die nächste Ecke und schon ist die Playa El Coyote erreicht. Hier verbrachten wir den Tag haupsächlich lesend, ich versuchte auch noch, ein bisschen zu schlafen. Am Abend spazierten wir zum nahen Restaurant, wo es zum Pouletbrüstli sogar echt gute Pommes frites gab – in ganz Amerika eine Seltenheit!

Nun trennten wir uns für einen Tag. Georgie und Mohsen wollte noch einen weiteren Tag an der Playa Requesón verbringen, während es mir nach zwei Tagen überhaupt nichts tun langweilig wurde. Dafür wollte ich in Loreto einen Ruhetag einlegen, sodass wir uns am nächsten Abend wieder treffen konnten. Ich packte also mein Zelt zusammen, auch wenn es innen noch etwas feucht war – nachts um 02.00 gab mein Tacho immerhin noch 27°C im Zelt an! Heute hatte ich von Beginn an mit Gegen- oder zumindest Seitenwind zu kämpfen, dazu ging es immer auf und ab. Trotzdem erreichte ich bereits am Nachmittag Loreto. Ich ging in die Touri-Info, um nach allfälligen Unterkünften – und nach Gabinos Gebrauchtwarenladen – zu fragen. Martín zeigte mir den Weg zu Gabino und bot mir unterwegs an, ich könne auch gerne bei ihm übernachten. Gabino war unterwegs, seine Angestellte aber instruiert, dass Radler im Laden übernachten können. Nach dem freundlichen Angebot von Martín bevorzugte ich natürlich dieses. Abends probierten wir uns dann noch durch die Speisekarte von Superburro (oder so ähnlich).

Am Morgen machte sich Martín dann wieder auf ins Büro, während ich mich in ein Café setzte, frühstückte und las. Danach ging auch ich zur vereinbarten Plauderrunde in die Touri-Info. Martín machte mit mir dann noch einen Abstecher zu einer Näherei, damit meine Schweizerfahne endlich befestigt werden konnte. Ich wollte dann grad mit schreiben beginnen, als Georgie und Mohsen auch schon auftauchten. Wir machten uns dann auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. Don hatten wir in Mulegé kennengelernt und er lud uns ein, in Loreto bei ihm vorbeizuschauen. Leider war er an diesem Tag aber nicht zu hause. Danach versuchten wir es bei mehreren Zeltplätzen, die entweder nicht mehr existierten oder überschwemmt waren. So landeten wir schliesslich in einem sehr grossen Zimmer mit drei Doppelbetten – und einer Dusche, die elektrische Schläge verteilte 😉

Nach den Strandtagen bereiteten wir uns bereits mental auf die Überquerung der Sierra de la Giganta vor. Es begann mit ein bisschen auf und ab am Meer entlang und bei km 8’999 verlor ich auf einer kurzen aber rasanten Abfahrt meine Fresca-Flasche. So musste ich km 9’000 meiner Tour dann halt mit Wasser begiessen. Da ich auch noch eine Wasserflasche verloren hatte, war ich froh, dass wir vor der grossen Steigung nochmals an einem Laden vorbeikamen. Vor der Weiterfahrt packte ich aber meine Tasche nochmals etwas um – man lernt ja schliesslich. Danach knickte die Strasse vom Meer weg und wir pedalten bei mässigem Verkehr bergan. Bereits nach kurzer Zeit kamen wir an eine einspurige Baustelle mit langer Kolonne. Ich versuchte, trotzdem durchzufahren, der Verkehrsregler ermunterte uns. Als wir um die nächste Kurve kamen, wussten wir, weshalb die Kolonne so weit zurückreichte und auch keine Fahrzeuge entgegenkamen: ein Lastwagen hatte im Baustellenbereich anscheinend einen durch Bremsversagen verursachten Unfall und blockierte zusammen mit den nun stützenden Baumaschinen die gesamte Fahrbahn. Tja, während man in der Schweiz fleissig Fahrzeugservice, Abgastest usw. machen und das dann auch noch bei der MFK kontrollieren lässt, setzt man hier eher auf Stossgebete und so dürften in lateinamerikanischen Garagen und Werkstätten Heiligenbilder, Rosenkränze, Kreuze usw. in der Verkaufshitparade noch weit vor Reifen, Bremsen oder sonst was kommen 😉 Jedenfalls war dem Fahrer glücklicherweise nichts passiert und es standen auch genügend Arbeiter rum, die uns helfen konnten, die Fahrräder halb über die und halb neben der Maschine durch zu tragen. Auf der anderen Seite waren die Wartenden natürlich ganz gespannt auf Neuigkeiten. Wir genossen danach die lange Sperre und fuhren ohne Verkehr weiter in die Sierra. Am Mittag hatten wir unser Tagesziel eigentlich erreicht – wir wollten bei einem der wenigen Restaurants unterwegs zelten. Ich fühlte mich aber noch recht gut und auch die anderen beiden wollten noch etwas weiterfahren. Bei der zweiten Lonchería erzählte man uns, in ca. 20 km hätte es einen kleinen Markt. Der kam zwar nie, dafür hatten wir nach 10 km den höchsten Punkt erreicht und so konnten wir bei ca. 1% Gefälle mit angenehmem Rückenwind dahindüsen. Schliesslich erreichten wir Ciudad Insurgentes, wo wir uns ein Zimmer nahmen und essen gingen. Auf dieser Etappe zeigte sich die Baja California sehr abwechslungsreich. Wir starteten entlang von Meer und Stränden, fuhren dann ins Gebirge, durch ein langes Tal und schliesslich durch eine weite Ebene ohne Berge am Horizont.

Am Vorabend hatte zum Schluss der Wind gedreht, sodass er von Norden kam. Da wir uns nun auf eine schnurgerade, 70 km lange Strasse machten, wünschten wir uns diesen Wind wieder. Leider kam er den ganzen Tag von allen möglichen Seiten. Kurz nach Ciudad Constitución wartete ich auf die beiden. Als ich wieder losfuhr, sah ich eine der Wasserflaschen wackeln. Also hielt ich nochmals an. Ich war bereits am festzurren, als Mohsen hinter mir eine Vollbremsung vollzog, worauf Georgie in seinem Windschatten nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte und ihm hinten auffuhr. Vielleicht wäre es doch besser, bei Konzentrationsproblemen nur im Stillstand am MP3-Player rumzuhantieren! In Las Pocitas empfahl der Blog, dem Georgie und Mohsen folgten, bei der Polizei oder der Kirche nach zufragen. Wir erreichten das Dorf, als es bereits dunkelte. Natürlich hatte auch die Messe gerade eben begonnen, sodass wir noch nicht fragen konnten. Danach durften wir unsere Zelte aber vor der Kirche unter einem Dach aufstellen. Auf dem Rückweg vom Abendessen wollte ich bei einem Privathaus mit entsprechendem Schild noch etwas Käse für das nächste Mittagessen kaufen. Da sie nur ganze Laiber verkauften, schenkte sie mir einfach einen ordentlichen Mocken 🙂

Am letzten Tag auf der MEX1 fuhren Georgie und Mohsen früher los als ich. Sie waren früher als vereinbart aufgewacht und ich war in der Regel sowieso schneller unterwegs. Als ich mich aufmachte, hatte ich dann aber gleich mit starkem Wind und ordentlichen Steigungen zu kämpfen. Als ich die beiden eingeholt hatte, warteten sie schon lange. Sie machten die ersten zwei Stunden gut Fahrt und wurden erst dann vom Wind eingeholt. Nach einer Stunde im Gegenwind hatten sie dann aber bereits genug und beschlossen, es das letzte Stück per Anhalter zu versuchen. Das verstand ich einerseits, andererseits kam es für mich aber nicht in Frage. Im Gegensatz zu ihnen war ich die ganze Baja California selbst geradelt.  Ich musste dann halt meinen Käse alleine essen – und da haben die zwei wirklich was verpasst 🙂 Nach 77 km erreichte ich mit den letzten Wassertropfen endlich das langersehnte Restaurant. Nach einer Pause machte ich mich auf die letzten km. Es ging jetzt hauptsächlich bergab und als ich das Meer erreichte und nach Süden abbog, hatte ich sogar mal für ein Weilchen einen starken Rückenwind. Die letzte Stunde war aber eine einzige Freude. Wieder ein grosser Haken, der neben eine Strecke gesetzt werden kann 🙂

In La Paz angekommen, musste ich mich noch nach einer Unterkunft umschauen. Die Touri-Info war nur am Morgen offen und das im Bikebuch empfohlene Lorimar schien mir den Preis nicht wert. So setzte ich mich ins Applebee’s, ass ein Stück Kuchen und versuchte mein Glück per Internet. Schliesslich fand ich dann ein Zimmer in Malecón-Nähe.